Die Tribute von Panem X: Das Lied von Vogel und Schlange – Suzanne Collins

Genre: Dystopie / Verlag: Oettinger / Erscheinungsdatum: 19.05.2020 / Kaufpreis: 26,00 € (Hardcover) / Seitenanzahl: 608 / Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Klappentext:

Ehrgeiz treibt ihn an. Rivalität beflügelt ihn. Aber Macht hat ihren Preis. Es ist der Morgen der Ernte der zehnten Hungerspiele. Im Kapitol macht sich der 18-jährige Coriolanus Snow bereit, als Mentor bei den Hungerspielen zu Ruhm und Ehre zu gelangen. Die einst mächtige Familie Snow durchlebt schwere Zeiten und ihr Schicksal hängt davon ab, ob es Coriolanus gelingt, seine Konkurrenten zu übertrumpfen und auszustechen und Mentor des siegreichen Tributs zu werden. Die Chancen stehen jedoch schlecht. Er hat die demütigende Aufgabe bekommen, ausgerechnet dem weiblichen Tribut aus dem heruntergekommenen Distrikt 12 als Mentor zur Seite zu stehen – tiefer kann man nicht fallen. Von da an ist ihr Schicksal untrennbar miteinander verbunden. Jede Entscheidung, die Coriolanus trifft, könnte über Erfolg oder Misserfolg, über Triumph oder Niederlage bestimmen. Innerhalb der Arena ist es ein Kampf um Leben und Tod, außerhalb der Arena kämpft Coriolanus gegen die aufkeimenden Gefühle für sein dem Untergang geweihtes Tribut. Er muss sich entscheiden: Folgt er den Regeln oder dem Wunsch zu überleben – um jeden Preis.

Kurzzusammenfassung:

Coriolanus Snow wird ausgewählt, um als Mentor einen Tribut bei den zehnten Hungerspielen zu betreuen. Gezeichnet vom Krieg gegen die Rebellen befindet sich das Kapitol im Wiederaufbau und auch die Familie Snow, bestehend aus dem 18-jährigen Coriolanus, seiner Großmutter und seiner Cousine Tigris, haben unter den Folgen der Rebellion zu leiden. Während sie nach außen hin die Fassade der einflussreichen und wohlhabenden Familie aufrecht erhalten, haben sie finanzielle Schwierigkeiten und auch der Ruhm der Snows scheint allmählich zu verblassen. Die einzige Chance zu ihrem alten Glanz zurückzufinden scheint darin zu liegen, dass Coryos Tribut die Hungerspiele und somit ein Stipendium gewinnt, was ihm ermöglicht in höheren Kreisen zu verkehren. Ihm wird jedoch bei der Ernte die junge Lucy Gray aus Distrikt 12 zugeteilt und Coriolanus sieht seine Chancen die 10. Hungerspiele zu gewinnen zunehmend schwinden, kann sich gleichzeitig aber auch der Anziehungskraft seines Tributes nicht entziehen. So oder so, Coryo wird vor schwerwiegende Entscheidungen gestellt, die maßgeblich seine Zukunft beeinflussen werden. Für ihn steht jedoch fest: „Ein Snow landet immer oben“.

Meine Meinung:

Zunächst sei festgehalten, dass ich ein großer Fan der ursprünglichen Panem Reihe von Suzanne Collins bin. Umso begeisterter war ich als angekündigt wurde, dass die Geschichte von Coriolanus Snow, den man in der Trilogie als Bösewicht kennenlernt, ein eigenes Prequel bekommen soll. Meine Erwartungen waren entsprechend hoch und ich muss gestehen, dass ich auch ein wenig Angst hatte, dass „Das Lied von Vogel und Schlange“ nicht mit den alten Teilen mithalten kann. Leider sollte dieses Gefühl Recht behalten. Fangen wir aber einmal von vorne an.

Das Cover:

Grundsätzlich finde ich das Cover sehr schön. Die goldene Schrift auf schwarzem Grund gefällt mir sehr gut und auch das Logo kommt toll zur Geltung. Damit passt sich „Tribute von Panem X“ optisch an die neuere Auflage der alten Trilogie an. Ich besitze leider noch die alte Erstauflage (die bunten Cover), womit sich nun ein deutlicher Stilbruch in meinem Regal zeigt, der meinen inneren Monk verrückt werden lässt. Schade, dass es diesen Teil nicht auch passend zur alten Auflage gibt, aber damit muss ich nun wohl oder übel leben. Unverständlich ist mir jedoch diese unnütze Blende, die sich wie ein farbiger Buchschnitt um das Buch legt. Diese Blende ist nicht nur ständig beim Lesen im Weg, sondern auch der ständigen Gefahr des Zerknickens ausgesetzt. Meiner Meinung nach, hat man hier versucht, eine billige Alternative für einen farbigen Buchschnitt zu finden, jedoch hätte der Verleger dann wohl doch besser ganz auf die Blende verzichten sollen. Gerade im Anbetracht des doch sehr hohen Kaufpreises, hätte ich mir hier eine etwas aufwändigere Gestaltung gewünscht.

Inhalt:

Leider konnte mich das Buch auch inhaltlich überhaupt nicht abholen. Dadurch das die gesamte Geschichte aus der Erzählerperspektive geschrieben ist, wirkt die Story sehr deskriptiv. An vielen Stellen liest sich die Geschichte stockend, wie eine Auflistung verschiedener Beobachtungen. Das hat es mir sehr schwer gemacht in die Handlung einzusteigen und eine Verbindung zu den Charakteren aufzubauen. Der Schreibstil ist ohne jegliche stilistische Raffinesse, sondern das Buch liest sich wie eine Abhandlung verschiedener Notizen („Er machte dies. Dann sagte er das. Später machte er wieder jenes.“). Meine Buddyreadpartnerin beschrieb die effektiv nicht vorhandene Spannung im Buch als: „Spannungsbogen wie eine Spaghetti“. Eine vortreffliche Metapher, die ausdrückt, wie langweilig das Buch war. Es gab sicherlich die ein oder anderen spannenden Szenen, die jedoch wie ein verschossener Elfer beim Fußball, einfach nicht verwandelt wurden. Die Idee hinter dem Buch ist grandios: Hinter die Fassade des mysteriösen Snow zu schauen und zu erforschen, was ihn zu dem tyrannischen Präsidenten macht, der Katniss später das Leben erschwert. Leider sind die Entwicklungsstränge teilweise unlogisch, an den Haaren herbeigezogen und völlig unsinnig. Ich hätte mir eine Entwicklung dieses Charakters gewünscht, der vom eigentlich guten Kerl, zu einem abgrundtief bösem Herrscher heranwächst. Leider war seine Präsentation häufig eher lächerlich. Sympathisch ist Coryo von Anfang an nicht. Auf eine unterschwellige Art und Weise versucht er stets für sich das Beste zu erzielen und geht dabei am Ende sprichwörtlich über Leichen. Seine ständigen Selbstzweifel und Ängste, erschwerten es mir jedoch, ihn wirklich ernst zu nehmen. Erst auf den letzten 50 Seiten des Buches, entscheidet sich Coriolanus aus einer spontanen Laune heraus wirklich böse zu werden. Diese Entwicklung ist jedoch so unauthentisch, dass mich ebendiese nicht überzeugen konnte. Die Nebencharaktere sind teilweise besser dargestellt. Schwierig fand ich jedoch die Masse an Namen, die besonders in der ersten Buchhälfte den Leser zu erschlagen drohen. Jeder der 24 Tribute wird namentlich erwähnt, ebenso die entsprechenden Mentoren. Wer die Panem – Reihe kennt, weiß auch, dass die Namen der Protagonisten teilweise sehr kurios und kompliziert sind. Dieser Umstand hat den Lesefluss für mich häufig beeinträchtigt, weil ich immer nochmal zurückblättern musste um zu erfahren „Wer war das nochmal?“. Manche Charaktere werden zudem ständig mit Vor- und Nachnamen aufgezählt, manche nicht. Das habe ich ebenso nicht nachvollziehen können. Hilfreich sollten dazu wohl die eingefügten Listen sein, die eine Übersicht über alle Tribute, deren Distrikte und Mentoren zeigten, doch diesen habe ich eher weniger Beachtung geschenkt.

Durch einen stilistischen Fauxpas oder durch eine schlechte Übersetzung, waren die eingefügten Liedtexte Schuld daran, dass sich mir sämtliche Nackenhaare sträubten. Teilweise waren die erzwungenen Reime so schlimm, dass ich die Liedpassage gar nicht erst weitergelesen habe. Das wiederum war nicht schlimm, denn die Lieder wiederholten sich sowieso ständig und wurden durch Coriolanus stumpfsinnige Gedanken kommentiert.

Fazit:

Ich könnte nun noch weitere Punkte aufzählen die mir an dem Buch nicht gefallen haben, doch ich belasse es nun dabei und fasse an dieser Stelle meinen Eindruck nochmal zusammen. Tribute von Panem X hat nichts von der Raffinesse und der Faszination der Panem Trilogie transportieren können. Eine gute Grundidee verwandelte sich zu einer langweiligen, vor sich hin dümpelnden Story, ohne roten Faden und ohne erkennbares Ziel, die sämtliche Chancen das Ruder rumzureißen liegen ließ. Die Charakterentwicklung verlief unlogisch und sprunghaft und es bleiben zum Schluss viele offene Fragen, die nicht geklärt wurden. Logiklöcher waren jedem Fall so oft vorhanden, wie die Beschreibung von Coriolanus Mahlzeiten und abgerundet wurde das ganze durch absolut bekloppte Charaktere. Zu Gute halten muss man dem Buch, dass es zumindest zeitweise versucht hat, Hintergrunddetails aufzugreifen, die auch in der Hauptreihe eine Rolle spielen (z.B. die Thematik der Spotttölpel). Leider waren diese Details seltener als ein Sechser im Lotto. Vielleicht bin ich zu alt für die Reihe geworden, oder meine Erwartungen waren zu hoch, aber leider mutierte dieses Buch für mich zu einem der Flops diesen Jahres.

Bewertung: 2 von 5.

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